Vom 10.6. bis zum 9.9.2008 zeigte die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. die Ausstellung »Exil am Mittelmeer. Deutsche Schriftsteller in Südfrankreich von 1933-1941«.
Die Ausstellung wurde von Ulrike Voswinckel und Frank Berninger konzipiert. Sie wurde zuvor lediglich an ihrem Entstehungsort, der Münchner Monacensia, Literaturarchiv und Bibliothek in der Münchener Stadtbibliothek, gezeigt. Die wertvollen Originaldokumente stammen zum Großteil aus der Monacensia, die mit den Nachlässen von Annette Kolb, Alfred Neumann, Hermann Kesten, Klaus und Erika Mann eine Fülle von Briefen und Dokumenten zum Thema bewahrt, und aus der Sammlung von Georg P. Salzmann.
Die Ausstellung dokumentiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen der deutschen Schriftsteller im südfranzösischen Exil und den Einsatz mutiger Fluchthelfer. Sie handelt von jenem kleinen Fischerort an der Côte d’Azur, der zum Symbol für ein ganzes Kapitel deutscher Literaturgeschichte geworden ist: Sanary-sur-Mer. In den Jahren zwischen 1933 und 1941 lebten dort zeitweilig oder dauerhaft Lion und Marta Feuchtwanger, Franz und Alma Werfel, Thomas und Katja Mann, René Schickele, Ludwig Marcuse.
Und nahezu alle Schriftsteller, die nach Frankreich emigriert waren, kamen zu Besuch. Heinrich und Nelly Mann wohnten unweit von Sanary in Nizza, eine Zeit lang sogar unter einem Dach mit Joseph Roth und Hermann Kesten. Annette Kolb traf sich hier mit dem Verleger Kurt Wolff, Klaus Mann besuchte sie alle, um mit ihnen über Veröffentlichungen in seiner Exilzeitschrift »Die Sammlung« zu verhandeln und selbst zu schreiben. »Es war ein ganz reiches geistiges Leben«, erinnerte sich Alfred Kantorowicz später, das gleichwohl ständig von der Angst um Deutschland und durch die materielle Not der weniger bekannten Autoren überschattet wurde.
Die anfänglich relativ freundliche Aufnahme der Emigranten durch die Franzosen änderte sich schlagartig, als die deutsche Armee Nordfrankreich besetzte. Alle »feindlichen Ausländer« wurden interniert; die meisten waren durch Ausbürgerung inzwischen staatenlos geworden.
Es begann ein verzweifelter Kampf um Pässe, Ausreisepapiere, Schiffspassagen, Transit- und Einreisevisa nach Amerika, China, Kuba oder sonst wohin. Um aus Frankreich herauszukommen, flüchteten viele bei Nacht und Nebel heimlich zu Fuß über die Pyrenäen, so Heinrich Mann, der zusammen mit Alma und Franz Werfel über die Berge entkam, ebenso wie Lion und Marta Feuchtwanger und zahlreiche andere. Einige von ihnen bekamen Hilfe vom amerikanischen Emergency Rescue Committee (ERC), das Thomas Mann im US-amerikanischen Exil gegründet hatte. Das Büro des ERC befand sich in Marseille.
Von hier aus schleuste der Amerikaner Varian Fry 1940/41 fast 1.000 verfolgte Intellektuelle aus dem besetzten Frankreich heraus und rettete sie vor dem sicheren Tod.
(Ulrike Voswinckel)
Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Georgsplatz 10, 20099 Hamburg
Ansprechpartnerin: Ricarda Luthe, 040 / 33 402-16
Öffnungszeiten: 11. Juni bis 9. September 2008
montags – donnerstags 14 – 17 Uhr, freitags 14 – 16 Uhr, u. n. V.